Eine Station, die in der Krise zur Intensivstation werden soll
Ein gewöhnliches Krankenzimmer. Sechs Betten, eine Sauerstoff-Entnahmestelle in der Versorgungseinheit, Routine. Bis zu der Woche, in der dasselbe Zimmer acht Beatmungsgeräte aufnehmen soll — und dann zeigt sich, dass alles Jahre zuvor entschieden wurde, in der Planungsphase.
Warum wird eine Normalstation wie eine künftige Intensivstation geplant?
Weil ein kritischer Bereich zwei Gasbedarfe hat — den alltäglichen und den im Krisenfall — die Anlage aber nur einmal verlegt wird. Ein Zimmer der Inneren Medizin verbraucht einen Bruchteil dessen, was dasselbe Zimmer unter Beatmungsgeräten verbraucht. Der Unterschied liegt nicht bei Prozenten, sondern beim Vielfachen.
Die Erfahrung des letzten Jahrzehnts hat dieses Szenario von der theoretischen Übung in die normale Investitionsplanung überführt. Stationen, die sich in wenigen Tagen umschalten ließen, hatten das vorher berechnet. Der Rest hatte eine normkonforme Anlage und eine zu dünne Leitung.
Kritische Bereiche sind nicht nur Intensivstationen
Ein kritischer Bereich ist jeder Ort, an dem eine Unterbrechung der Gasversorgung ein unzulässiges Ereignis und keine Unannehmlichkeit ist. OP-Bereich, Aufwachraum, Notaufnahme, Neonatologie — und jede Station, der der Krankenhaus-Krisenplan die Rolle einer Ersatz-Intensivstation zuweist.
Genau so fasst der Leitfaden das Thema auf "Medizinische Gase in der Praxis. Heft 1" (GMWP), erarbeitet von INMED S.A.: Kritische Bereiche sind Zonen mit verschärften Anforderungen an die Versorgungskontinuität und kein farbiges Etikett im Geschossgrundriss.
Was muss in der Planungsphase überdimensioniert werden?
Überdimensioniert werden müssen genau jene Komponenten, deren spätere Änderung Wandaufbrüche und die Außerbetriebnahme der Station bedeutet.
- Doppelte Versorgung des Arbeitsplatzes — zwei unabhängige Gaswege zum Bett, damit eine Störung oder Servicearbeiten an einem Zweig die Therapie nicht unterbrechen.
- Gleichzeitigkeitsfaktor — die Annahme, wie viele Verbraucher gleichzeitig genutzt werden. Für eine Allgemeinstation und für eine Intensivstation sind das zwei völlig unterschiedliche Zahlen, und die Leitung wird auf den höheren Wert ausgelegt.
- Entnahmestellen und Anschlussstandard — ein einheitliches System im gesamten Objekt. Ein Mix von Standards ist beim Verlegen von Geräten ein rein mechanisches Problem, das sich nicht nebenbei lösen lässt.
- Narkosegas-Fortleitungssystem (AGSS) — dort erforderlich, wo heute niemand eine Narkose plant, morgen aber ein Beatmungsgerät oder ein Narkosegerät stehen kann.
- Reserve in der Verteilung und in den Rohrdurchmessern — Platz für weitere Abzweige, bevor jemand die abgehängte Decke schließt.
Warum ist es später zu teuer?
Weil jeder dieser Punkte in der Planung eine billige Zeile und im laufenden Krankenhaus ein teurer Umbau ist. Eine zweite Versorgungstrasse in ein bestehendes Zimmer zu führen bedeutet Demontage der Versorgungseinheiten, Dichtheitsprüfungen und wochenlange Außerbetriebnahme von Betten.
Überkapazität in einer Medizingasanlage ist keine Verschwendung. Sie ist die billigste Form der Bereitschaft, die man einmal kaufen und dreißig Jahre lang haben kann.
Häufig gestellte Fragen
Muss jede Station wie eine Intensivstation geplant werden?
Nein — entscheidend ist der Krisenplan des Krankenhauses. Der erhöhte Standard gebührt den Bereichen, denen dieser Plan tatsächlich eine Reservefunktion zuweist; der Rest wird entsprechend der aktuellen Zweckbestimmung geplant.
Was ist beim Umschalten das größere Hindernis: die Versorgungsquelle oder die Rohrleitung?
Meist die Rohrleitung und die Entnahmestellen. Die Versorgungsquelle lässt sich in der Praxis relativ schnell verstärken, den Durchmesser einer in der Wand verbauten Leitung ändert man dagegen nicht ohne Umbau.
Wo findet man die konkreten Anforderungen und die Berechnungsweise?
Die gesammelten Richtlinien, Zonendefinitionen und Auswahlgrundsätze behandelt GMWP — in einer Form, die auf die Arbeit des Planers und der technischen Dienste des Krankenhauses zugeschnitten ist.
Wenn Sie eine Modernisierung oder ein neues Bauvorhaben planen und diese Entscheidungen durchgerechnet haben möchten, bevor die Wände geschlossen werden — GMWP-Leitfaden bestellen.