Die Versorgungsquelle für medizinische Druckluft — was PN-EN ISO 7396-1 fordert, Punkt für Punkt

2026-08-08 · Technisches Team von Medpipe

Kurz gefasst. Die Quelle für medizinische Druckluft gemäß der Norm PN-EN ISO 7396-1:2016-07 erfordert mindestens drei Versorgungsquellen, zwei unabhängige Aufbereitungsstränge und Pufferbehälter in der Sequenz G → H → I. Die Reinheit medizinischer Druckluft entspricht Klasse 2 nach ISO 8573-1:2010 (Tabelle 2). Die Reserveflaschen stehen außerhalb der Kompressorenzentrale — das ist eine Brandschutzanforderung. „Shall“ im Normtext bedeutet eine Anforderung, keine Empfehlung.

Eine Kompressorstation für medizinische Druckluft ist kein Heizraum mit besserem Filter. PN-EN ISO 7396-1:2016-07 beschreibt ihren Aufbau als Anforderung, nicht als gute Praxis — und die meisten Streitigkeiten auf der Baustelle entstehen, weil jemand „muss" als „wäre gut" gelesen hat.

„Sollte" bedeutet in der Norm „muss" — und das ist der Ausgangspunkt

In den polnischen Fassungen der Europäischen Normen ist das Wort „sollte / sollten“ ist die Übersetzung des englischen shall und drückt eine verbindliche Anforderung aus. Sie ist weder ein Vorschlag noch eine Empfehlung.

Die Unterscheidung ist dreistufig und bestimmt, was im Projekt verhandelbar ist:

  • „muss“ = shall — eine Anforderung. Das Element ist anzuwenden.
  • „darf“ = may — Arbeitsfreigabe. Wahlweise Option.
  • „sollte“ = should — Empfehlung.
  • ANMERKUNGEN und informative Anhänge enthalten keine Anforderungen — sie beschreiben typische Lösungen.

Die Konsequenz ist praktisch: Wenn der Auftragnehmer argumentiert, „die Norm empfiehlt lediglich zwei Trockner", lohnt es sich zu prüfen, ob er sich auf einen normativen Abschnitt oder auf eine ANMERKUNG bezieht.

Drei Versorgungsquellen, nicht zwei

Die Versorgungsquelle für medizinische Druckluft muss aufweisen mindestens drei Versorgungsquellen, darunter mindestens eine Kompressoreinheit — Abschnitt 5.5.2.5, Anforderung (shall).

Hinzu kommt eine Leistungsbedingung, die bei der Auslegung oft übersehen wird: der Auslegungsdurchfluss muss bei Ausfall zweier beliebiger Versorgungsquellen sichergestellt sein. Nicht bei einem. Bei zweien.

Das Versorgungssystem selbst kann ein Flaschensystem (5.3), ein System mit Kompressoren (5.5.2), ein System mit Mischanlage (5.5.3) oder eine Kombination davon sein — Abschnitt 5.5.1.1.

Zwei Aufbereitungssysteme sind eine Anforderung, keine Option

Wenn mindestens zwei Versorgungsquellen Kompressoreinheiten sind, müssen mindestens zwei Aufbereitungssysteme vorgesehen werden — Abschnitt 5.5.2.5, Anforderung (shall).

In einer typischen Krankenhaus-Kompressorstation mit zwei oder drei Kompressoreinheiten ist der Einsatz von zwei Trocknern samt der übrigen Ausrüstung des Aufbereitungssystems daher verpflichtend. Das ist weder eine Anhebung des Standards über die Norm hinaus noch eine „Premiumlösung" — es ist die Erfüllung einer Anforderung.

Die Norm ergänzt eine Wartungsbedingung: bei zwei oder mehr Aufbereitungssystemen es muss möglich sein, ihre Bauteile getrennt zu warten (5.5.2.9), und unmittelbar hinter den Aufbereitungssystemen muss eine Probenahmestelle mit Absperrventil vorhanden sein (5.5.2.10).

Pufferbehälter hinter den Trocknern — Sequenz G → H → I

Einbau der Pufferbehälter nach Aufbereitungssystemen ist eine Anordnung, die unmittelbar den Schemata des Anhangs A der Norm entspricht. In den Bildern A.5–A.10 ist der Pufferbehälter (Kennzeichnung I nach Tabelle A.2) durchgängig hinter dem Aufbereitungssystem (Kennzeichnung H) angeordnet, in der Strömungsfolge Kompressoreinheit (G) → Aufbereitungssystem (H) → Pufferbehälter (I).

Das ist die Referenzlösung und keine ausnahmsweise zugelassene Option. Die in der Praxis untersuchte Konfiguration mit zwei Trocknern entspricht ANMERKUNG 2 Buchst. b) oder c) zu Abschnitt 5.5.2.5 sowie den Bildern A.7 und A.9.

Die Pufferbehälter selbst müssen EN 286-1 (oder entsprechenden nationalen Normen) genügen und mit Absperrventilen, automatischer Ableitung der Flüssigphase, einem Manometer sowie einem Überdruckventil ausgestattet sein — Abschnitte 5.5.2.7 und 5.5.2.8, Anforderung (shall).

Komplette Ausstattung der Kompressorstation — verbindliche Anforderungen

Nachfolgend ausschließlich Festlegungen mit Anforderungscharakter (shall). Die in den ANMERKUNGEN beschriebenen Elemente (typische Zusammensetzung der Kompressoreinheit und des Aufbereitungssystems) haben informativen Charakter und wurden hier bewusst nicht aufgeführt.

ElementAnforderungNormabschnitt
Luftansaugung mit EintrittsfilterDort angeordnet, wo minimale Verunreinigungen auftreten; geschützt gegen Insekten, Verunreinigungen und Wasser, unter Berücksichtigung der Windrichtungen5.5.2.12
KompressoreinheitenMindestens drei Versorgungsquellen, darunter mindestens eine Kompressoreinheit; Auslegungsdurchfluss bei zwei ausgefallenen Quellen5.5.2.5
Rückschlag- und Absperrventile jedes KompressorsVerhinderung der Rückströmung durch abgeschaltete Geräte; Absperrung von der Rohrleitung und den übrigen Kompressoren5.5.2.5
ÜberhitzungsschutzSchutz jedes Kompressors sowie Maßnahmen gegen das Eindringen toxischer Verbindungen in die Rohrleitung5.5.2.5
Zwei AufbereitungssystemeBei mindestens zwei Versorgungsquellen mit Kompressoreinheiten; Möglichkeit der getrennten Wartung der Komponenten5.5.2.5, 5.5.2.9
PartikelreinheitKonformität mit ISO 8573-1:2010, Tabelle 2, Klasse 2 — mit Konformitätsnachweis des Herstellers5.5.2.2
Taupunktsensor mit AlarmAn das Rohrleitungssystem hinter allen Aufbereitungssystemen angeschlossen5.5.2.5
CO-Sensor mit AlarmsystemMindestens einer, in der Rohrleitung hinter allen Aufbereitungssystemen5.5.2.5
PufferbehälterKonform mit EN 286-1; Absperrventile, automatische Ableitung der flüssigen Phase, Manometer, Überdruckventil; getrennte Wartung jedes Pufferbehälters5.5.2.7, 5.5.2.8
ProbenahmestelleMit Absperrventil, unmittelbar hinter dem/den Aufbereitungssystem(en)5.5.2.10
Zwei DruckmindererFest installiert; jeder stellt den vollen Auslegungsdurchfluss sicher5.5.2.13
Steuerungssystem der KompressorenAusfall eines Kompressors ohne Auswirkung auf die übrigen; Versorgungskontinuität bei Ausfall der Steuerung5.5.2.11
Schwingungsdämpfende MaßnahmenVerhinderung der Schwingungsübertragung zwischen Kompressoren und Rohrleitung5.5.2.14
Elektrische NotstromversorgungAlle an die Notstromversorgung angeschlossene Kompressoren5.5.1.5
BrandmeldeanlageIn den Räumen der Versorgungssysteme5.8.2
KondensatableitungKompressoren mit Wasserableitungssystemen5.8.2
Überwachungs- und AlarmsystemeBetriebsalarme und Notfall-Betriebsalarme; Auslegung nach IEC 60601-1-8Kapitel 6

Die Reserve muss außerhalb der Kompressorstation stehen — und das ist eine Brandschutzanforderung

Die Norm unterscheidet in den Definitionen von Abschnitt 3 drei Rollen: primäre Versorgungsquelle versorgt die Rohrleitung im Normalzustand (3.51), sekundäre Versorgungsquelle übernimmt die Versorgung bei Erschöpfung oder Ausfall der Hauptquelle (3.58), und Reserveversorgungsquelle versorgt die Rohrleitung bei Ausfall oder Erschöpfung sowohl der primären als auch der sekundären (3.54).

Bereits aus dem Aufbau dieser Definitionen ergibt sich die Funktion der Reserve als letzte Linie der Kontinuität — sie soll genau dann einspringen, wenn beide anderen Versorgungsquellen ausgefallen sind, auch infolge eines Ereignisses, das die Räume betrifft, in denen diese Quellen stehen.

Die Norm setzt dies unmittelbar in eine Standortanforderung um: die Anordnung der Reserve-Versorgungsquellen muss den Zugang zu ihnen und ihre Nutzung im Falle eines Brandes in den Räumen der primären und der sekundären Quelle ermöglichen — Abschnitt 5.2.3 Buchst. d). Die Reserve muss daher außerhalb des Bereichs der Kompressorstation stehen.

Ergänzt wird dies durch die Anforderungen von Abschnitt 5.8: Flaschenversorgungsquelle darf sich nicht im selben Raum befinden wie Geräte mit Elektromotoren — zu denen die Norm ausdrücklich Luftkompressoren zählt (5.8.1 lit. a) — noch mit Geräten mit offener Flamme (5.8.1 lit. b). Die ANMERKUNG zu 5.8.1 weist zudem darauf hin, dass nationale Vorschriften die Unterbringung von Kompressoren in getrennten Technikräumen verlangen können.

Was ISO 7396-1 nicht regelt und trotzdem gilt

Druckbehälter haben einen eigenen Konformitätsweg, unabhängig von ISO 7396-1. Nach EN 286-1 gefertigte Behälter unterliegen in der EU der Richtlinie 2014/29/UE (einfache Druckbehälter), Behälter mit Parametern außerhalb ihres Anwendungsbereichs dagegen der Richtlinie 2014/68/UE (PED). In Polen unterliegen sie der technischen Überwachung UDT. Die Einstufung eines konkreten Behälters wird anhand seiner Dokumentation bestätigt, nicht anhand des Typs.

Darüber hinaus verweist die Norm auf: ISO 8573-1:2010 (Partikelreinheit), IEC 60601-1-8 (Alarmsysteme) sowie ISO 14971 (Risikomanagement, Abschnitt 5.2.3).

Häufig gestellte Fragen

Sind zwei Trockner in jeder Kompressorstation vorgeschrieben?

Sie sind überall dort verpflichtend, wo mindestens zwei Versorgungsquellen Kompressoreinheiten sind — und das ist die typische Krankenhauskonfiguration. Grundlage: Abschnitt 5.5.2.5, Anforderung (shall).

Darf der Pufferbehälter vor dem Trockner stehen?

Die Schemata des Anhangs A zeigen durchgängig die Abfolge G → H → I, also den Pufferbehälter hinter dem Aufbereitungssystem, und die ANMERKUNG zu pkt 5.5.2.8 bezieht sich auf die Lage des Pufferbehälters. Die Entscheidung für eine konkrete Anlage erfordert den Rückgriff auf deren Planungsunterlagen.

Darf die Flaschenreserve im Kompressorraum aufgestellt werden?

Nein. Eine Flaschenversorgungsquelle darf sich nicht in einem Raum mit Geräten befinden, die mit Elektromotoren ausgestattet sind, und die Norm zählt dazu Luftkompressoren — pkt 5.8.1 lit. a). Unabhängig davon verlangt pkt 5.2.3 lit. d) den Zugang zur Reserve im Brandfall in den Räumen der primären und sekundären Versorgungsquelle.

Grundlage

  • PN-EN ISO 7396-1:2016-07 — Abschn. 3 (Definitionen 3.51, 3.54, 3.58), Abschn. 5.1, 5.2.3–5.2.5, 5.5.1, 5.5.2, 5.8, Abschn. 6, Anhang A (Tabellen A.1 und A.2, Bilder A.5–A.10), Anhang I
  • EN 286-1 — einfache Druckbehälter (Luft/Stickstoff), zitiert in Abschnitt 5.5.2.7
  • ISO 8573-1:2010, Tabelle 2, Klasse 2 — zitiert in der ANMERKUNG zu Abschnitt 5.5.2.2
  • IEC 60601-1-8 — Alarmsysteme, zitiert in Kapitel 6
  • ISO 14971 — Risikomanagement, zitiert in Abschnitt 5.2.3
  • Richtlinien 2014/29/UE (SPVD) und 2014/68/UE (PED) sowie nationale Vorschriften zur technischen Überwachung (UDT)

Der Artikel wurde auf Grundlage eines technischen Gutachtens erstellt „Erforderlicher Aufbau der Versorgungsquelle für medizinische Druckluft nach PN-EN ISO 7396-1:2016-07“ von Damiana Czyczyro — Direktor für Medizingasanlagen bei INMED S.A., Mitglied KT 284 PKN. Die Verweise auf Abschnitte der Norm sind dieser Ausarbeitung entnommen; den Wortlaut der Norm selbst geben wir nicht wieder — sie ist ausschließlich unter Lizenz von PKN erhältlich.

Eine umfassendere Darstellung von Betrieb, Abnahmen und Dokumentation von Medizingasanlagen enthält der Leitfaden „Medizinische Gase in der Praxis. Heft 1" (GMWP) erarbeitet von INMED S.A. — GMWP-Leitfaden bestellen.

Eine komplette, zertifizierte medizinische Druckluftanlage finden Sie hier: medizinische Druckluftanlagen in.AIR.

Erstellt von: dem technischen Team mit Małgorzata Dopierała, Damian Czyczyro und Przemysław Kostera — Medpipe Sp. z o.o., Planung, Audits und Prüfungen von Anlagen für medizinische Gase. Der Artikel entstand auf Grundlage des Leitfadens „Gazy medyczne w praktyce. Zeszyt 1” (GMWP), INMED S.A.